Woche 11/2007
Soldaten
töten Dorfbewohner
Am 10. März wurde der Dorfbewohner Hasim Yakut
(21) im Dorf Gülecler im Kreis Baskale (Van) von Gendarmen getötet. Laut den
Nachrtichten der Firat-Nachtichtenagentur (ANF) sollen die Soldaten ohne Warnung
das Feuer gegen das Auto von Hasim Yakut eröffnet haben. Einige Dorfbewohner,
die ihre Namen nicht nennen wollten, sagten, dass der diensthabende
Unteroffizier von der Anili Gendarmeriestation verantwortlich für die Tötung
von Hasim Yakut sei.
Radikal vom 12.03.2007
DEP-Abgeordnete auch im Wiederaufnahmeverfahren verurteilt
Am 9. März verurteilte das Landgericht Nr. 11 in
Ankara die ehemaligen DEP-Abgeordneten Leyla Zana, Hatip Dicle, Orhan Dogan und
Selim Sadak nach Artikel 168/2 des früheren TStGB wegen "Mitgliedschaft in
einer illegalen Organisation". Die Angeklagten wurden in Übereinstimmung
mit dem neuen TStGB zu 5 Jahren Haft verurteilt, das Urteil wurde nach dem
Anti-Terror-Gesetz auf 7 Jahre 6 Monate Haft erhöht. In ihrem ersten Verfahren
waren die Abgeordneten zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Die bereits verbüßte
Haftdauer ist 3 Jahre länger als die jetzt verhängte Haftstrafe.
Birgün vom 12.03.2007
Eren Keskin festgenommen
Rechtsanwältin Eren Keskin, ehemalige
Vorsitzende der Zweigstelle des IHD in Istanbul, wurde in der Nacht des 9. März
in Van festgenommen, wohin sie zum Weltfrauentag gereist war. Berichten zufolge
hatte der Staatsanwalt von Beyoglu/Istanbul im Zusammenhang mit einer Presseerklärung,
die sie während der Newrozfeiern 2002 in Istanbul vorgelesen hatte, einen
Haftbefehl gegen sie erlassen. Nach ihrem Verhör wurde sie freigelassen.
Cumhuriyet vom 12.03.2007
Urteil im Mordfall des Polizeidirektors von Diyarbakir Gaffar
Okkan
Am 9. März beendete das landgericht Nr. 4 in
Diyarbakir das Verfahren gegen Servet Yoldas, Sener Dünük und Suat Cetin, die
angeblich in die Ermordung des Polizeidirektors von Diyarbakir Gaffar Okkan am
24. Januar 2001 verwickelt waren. Das Gericht verurteilte Yoldas zu erschwerter
lebenslanger Haft wegen "Versuch des gewaltsamen Umsturzes der verfassungsmäßigen
Ordnung, Versuch der Errichtung einer islamischen ordnung und Beteiligung an
Aktionen im Namen der Hizbullah". Das Urteil wurde in lebenslange Haft
umgewandelt. Das Gericht verurteilte Suat Cetin zu 10 Jahren, Sener Dönük zu 6
Jahren 3 Monaten und Veysi Sanli zu 3 Jahren 1 Monat Haft, Mehmet Yaman wurde
freigesprochen.
Evrensel-Halkin Sesi-Hürriyet-Milliyet vom
12.03.2007
Festnahmen und Verhaftungen
32 Mitglieder der Studentenvereinigung der 100.
Jahr-Universität, die bei Wohnungsrazzien am 5. März in Van festgenommen
worden waren, wurden am 9. März in U-haft überstellt.
Yildirim Celebi, DTP-Funktionär Sima Dorak,
Ahmet Yandim und Mehmet Saridag, Funktionär des Solidaritätsvereins für die
Angehörigen der Gefangenen, wurden in Adana unter der Beschuldigung
"Mitglieder der PKK zu sein festgenommen. Celebi, Dorak und Saridag wurden
am 10. März in U-Haft überstellt, Yandim wurde freigelassen.
Ziya Yürük, Vorsitzender der DTP im
Zentraldistrikt Antalya, Gülfer Ertan und Diyadin Atak wurden im Zusammenhang
mit einer Presseerklärung festgenommen, in der gegen den Druck gegen die DTP
und die angebliche Vergiftung Abdullah Öcalans protestiert wurde.
Die Studenten Özkan Kart,
Ali Saruhan, Burcu Okur, Menekse Karatastan, Mesut Teke, Emre Sacilik, Ayhan
Onuk, Bahattin Cireli (Vorsitzender der Sozialistischen Jugend-Vereinigung),
Cahine , Gökhan und Yusuf (deren Familiennamen unbekannt sind) wurden in der
Nacht des 8.- März in Ankara bei Wohnungsrazzien wegen "Mitgliedschaft in
der Patriotischen Freien Jugendbewegung (YÖGEH)" festgenommen.
Birgün vom 14.03.2007
Folter in Diyarbakir
M.G. gab bekannt, dass er auf der Polizeisation
Baglar gefoltert wurde, als er dort hin ging, um sich nach seiner Frau zu
erkundigen, die am 12. März unter der Beschuldigung "Diebstahl"
festgenommen worden war. M.G. war in einen Raum gebracht worden, als er nach
seiner Frau fragte. Er berichtete Folgendes: "Sie zwangen mich, die
Straftat zu akzeptieren und das Telefon zu bringen, aber ich akzeptierte das
nicht. Dann hielt mich einer von ihnen und der andere begann mich zu schlagen.
Der Polizeichef beobachtete mich, während ich geschlagen wurde. Mein
Rechtsanwalt kam eine Weile später und brachte mich zum Staatsanwalt, als er
die Spuren von den Schlägen sah." M.G.s Anwalt Mesut Bestas berichtete:
"Die Polizisten waren unruhig als ich zur Polizeistation kam. Mein Mandant
sagte mir, dass er mißhandelt worden sei. Ich brachte ihn an einen geeignete
Ort und zog ihm die Kleidung aus. Als ich die Folterspuren sah, brachte ich ihn
sofort zum Staatsanwalt. Er machte seine Aussage und wurde sofort ins
Krankenhaus geschickt. Er sah aus, als wenn er schwer gefoltert worden
war."
Sabah vom 14.03.2007
Verfahren wegen Beleidigung Atatürks
Der Staatsanwalt von Izmir leitete im
Zusammenhang mit einer Rede, die Prof. Atilla Yayla am 18. November 2006 bei der
Veranstaltung der Jugendorganisation der AKP zu dem Thema "Sozialer Einfluß
der Beziehungen EU-Türkei" gehalten hatte, ein Verfahren gegen ihn ein.
Die Anklage fordert, dass Yayla nach den Artikeln 1/1 und 2/1 des Gesetzes über
Vergehen gegen Atatürk (Gesetz Nr. 5816) und nach Artikel 53 TStGB wegen
Beleidigung Atatürks bestraft wird. Das Verfahren wird am Amtsgericht Izmir
durchgeführt.
Hürriyet vom 14.03.2007
Türkische Gerichtsmedizin stellt keine Vergiftung Öcalans
fest
Justizminister Cicek gab auf einer
Pressekonferenz am 12. März bekannt, dass die Gerichtsmedizin istanbul keine
Befunde erhoben hat, die auf eine Vergiftung von Abdullah Öcalan hinweisen würden.
ANF-Hürriyet vom 14.03.2007
Festnahmen und Verhaftungen
Der
Student der Ege-Universität Ferhat Önder und eine unbekannte Person wurden bei
einer Razzia im Büro der DTP im Bezirk Konak von Izmir festgenommen.
Ferhan Türk, DTP-Vorsitzender von Mardin, wurde am 13. März unter der
Beschuldigung festgenommen, bei einer Presseerklärung am 10. März den Begriff
"sayin" (Herr) benutzt zu haben, als er von Abdullah Öcalan sprach.
Der Schüler O.T. wurde aufgrund einer Klage des Lehrers E.S. im Dorf
Taslicay in der Provinz Agri wegen "Propaganda für eine illegale
Organisation" festgenommen. O.T. wurde am 13. März freigelassen, das
Verfahren gegen ihn läuft weiter.
Birgün
vom 15.03.2007
Verfahren
zu extralegaler Hinrichtung
Das
am 21 November 2004 eröffnete Verfahren gegen die Polizisten Mehmet Karaca,
Yasafettin Acıkgöz, Seydi Ahmet Döngel, Salih Ayaz im Zusammenhang mit
der Tötung von Ahmet Kaymaz und seinem Sohn Ugur Kaymaz in Kızıltepe,
einem Bezirk von Mardin, ist am 14. März am Landgericht in Eskisehir fortgeführt
worden.
Rechtsanwalt
Erdal Kuzu erinnerte im Namen der Nebenkläger daran, dass der Angeklagte
Yasafettin Acıkgöz in seiner Aussage behauptet hatte, “sich nicht hinter
dem Lastwagen aufgehalten zu haben”, jedoch die Patronenhülsen seiner Waffe
vor dem Haus und hinter dem Lastwagen gesichert wurden. Kuzu sagte, "Dem
gerichtsmedizinischen Bericht zur Folge, sei ernsthaft der Verdacht auf Ausübung
von Straftaten zu entnehmen”. Die Anträge auf Verhaftung der angeklagten
Polizisten wurde abgelehnt. Die Verhandlung wurde auf den 18. April verlegt.
ANF
vom 15.03.2007
Verfahren
im Zusammenhang mit dem Şemdinli Vorfall
Das
mit der Anschuldigung der Mitgliedschaft in einer extralegalen Organisation
gegen Seferi Yılmaz eröffnete Verfahren wurde am 12. März 2007 am 4.
Landgericht in Van fortgeführt.
Seferi
Yılmaz meldete sich zu Wort und sagte: "Ich wusste nicht , dass es
eine Straftat ist Banden zu fassen. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich mich
nicht eingemischt... Das ist mein einziger Fehler. Deswegen bin ich Opfer”.
Rechtsanwalt
Sezgin Tanrikulu sagte: "Seferi Yılmaz ist Opfer des noch immer
laufenden Verfahrens zum Şemdinli-Vorfall. Mein Mandant verdankt sein Leben
einem Zufall. Danach wurde er befragt, wie er sich retten konnte. Alle
Unterlagen in der Akte haben die Absicht die Angeklagten im Semdinli-Verfahren
zu entlasten...
Vatan
vom 15.03.2007
Urteil
im Verfahren wegen Bombenanschlag in Silopi
Am
13. März wurde das Verfahren gegen 6 Personen, unter denen auch Dorfschützer
und Überläufer waren, wegen des Bombenanschlages am 20.November gegen das Polizeipräsidium im Bezirk Silopi
(Provinz Sirnak) beendet.
Das
4. Landgericht in Diyarbakir verurteilte den inhaftierten Angeklagten Osman
Aslan, einen Dorfschützer, nach Artikel 174 des TStGB zu fünf Jahren Haft.
Die
nicht inhaftierten Angeklagten, der PKK-Geständige Murat Kumak und die Dorfschützer
Sabri Binzet, Cevher Badur, Ata Kacar und Mehmet Özkan wurden freigesprochen.
ANF
vom 15.03.2007
Verfahren
gegen Journalisten nach Artikel 301
Am
14. März wurde am Amtsgericht Nr. 2 in Beyoglu/Istanbul ein Verfahren gegen den
Journalisten der geschlossenen Zeitung Özgür Gündem Umur Hozatli wegen seines
Artikels mit dem Titel "LORIN-Iyi Baba Isbası Yapti" vom 16.
September 2006 eröffnet. Eine Verurteilung nach Artikel 301 des TStGB wird
gefordert.
Ebenfalls
am 14. März wurde am Amtsgericht Nr. 2 in Beyoglu/Istanbul auch gegen den
ehemaligen Herausgeber der Zeitung Irfan Ucar auf Grund seines Artikels
“Artikel 301" ein Verfahren eingeleitet, in dem seine Verurteilung nach
Artikel 301 TStGB gefordert wird. Beide Verhandlungen sind auf den 17. Mai
vertagt worden.
ANF-Milliyet-Radikal
vom 15.03.2007
Represionen
gegen die DTP
Gegen
die Bezirksvorsitzenden der DTP aus Edirne Beşir Belke, aus Kirklareli
Yakup Aslan und aus Tekirdag Hilmi Karaoglan ist von der Staatsanwaltschaft in
Edirne ein Verfahren eingeleitet worden, da sie während ihrer gemeinsamen
Pressemitteilung am 2. Dezember von “Herrn” Abdullah Öcalan sprachen. In
der Anklageschrift wird gefordert, die Bezirksvorsitzenden nach Artikel 215
“Loben eines Angeklagten und einer Straftat” zu bestrafen. Das Verfahren
wird am Friedensgericht Nr. 2 in Edirne durchgeführt werden.
Am
13 März sind in Izmir und den umliegenden Bezirken bei Razzien in DTP-Gebäuden
und Wohnungen von DTP-Funktionären und Mitgliedern, 13 Personen in Polizeihaft
genommen worden.
Lütfü
Demirkapi, der Vorsitzende des IHD in Izmir, hat mitgeteilt, dass - als während
der Razzia in der Wohnung des DTP-Bezirksvorsitzenden von Izmir Mehdi Aslan
dieser nicht vorgefunden wurde - dessen Tochter mitgenommen wurde und man sie
erst wieder frei ließ, als sich Mehdi Aslan der Polizei selbst stellte.
Die
Namen der Festgenommenen sind Mehdi Aslan, der der Funktionär der
Provinzorganisation Burhan Yürek, Abdurrahim Marol,Yusuf Kaya, der
Bezirksvorsitzende von Buca Mehmet Emin Yıldız, Leyla Aslan, Funda
Apak, der Funktionär des Bezirkes Buca Aslan Kızıl, der
Bezirksvorsitzende von Torbali Hüsnü Koyuncu, Ali Sarı, Gülcicek Günel
Tekin, ihr Ehemann Saki Tekin, S.A. und Ferhat Önder.
Die
Journalistin der Dicle Nachrichten-Agentur
Ayse Oyman ist am 14. März nach einer Protestkundgebung wegen der
Razzien in Izmir auf Forderung der Staatsanwaltschaft in Polizeihaft genommen
worden.
Auch
in Mersin sind viele Personen bei Razzien in Wohnungen festgenommen worden.
Unter ihnen ist der Funktionär der
Provinzorganisation der DTP Ahmet Ay.
Im
Bezirk Sultanbeyli in Istanbul sind von den festgenommenen DTP-Mitgliedern 10 in
U-Haft genommen worden.
Es
wurde bekannt, dass das Vorstandsmitglied der Provinzorganisation der DTP
Evren Demir, der Bezirksvorsitzende von Sultanbeyli
Ahmet Narin, Hüseyin Öncü, Yücel Coban, Yavuz Bastug, Aydin Aktas,
Abbas Özdemir, Dodan Dogan, Nuran Kenben und Necdet Ayla
unter den Beschuldigungen “Loben einer
Straftat und eines Straftäters”, "Schädigung von Gemeineigentums"
und "unerlaubte Demonstration" verhaftet wurden.
Ebenfalls
am 14 März wurden in Tunceli das Provinz- und das Kreisgebäude der DTP gestürmt
und dabei fünf Personen in Polizeihaft genommen.
Birgün-Yeni Safak vom 16.03.2007
Mehmet Mehdi Arslan, Vorsitzender der DTP in Izmir, Burhan Yürek,
stellvertretender Vorsitzender, Arslan Kizil, ehemaliger Vorsitzender der DTP im
Distrikt Buca, Hüsnü Koyuncu, Vorsitzender der DTP im Distrikt Torbali, Mehmet
Kodaman und Abdurrahim Marol, Funktionäre der DTP in Torbali, S.A. und F.Ö.
wurden am 15. März in U-Haft genommen.
Cumhuriyet-Hürriyet
vom 15.03.2007
Verhaftungen
Sedat
S. und Gurbet M., die am 10. März festgenommen worden waren, weil sie
versuchten einen öffentlichen Bus mit einem Molotowcocktail in Brand zu setzen,
wurden am 13. März in U-Haft überstellt.
Von
den am 8. März bei einer Razzia in einer Wohnung festgenommenen 17 Personen,
die beschuldigt werden, Mitglieder der YÖGEH (Yurtsever Özgür Gençlik
Hareketi - Patriotische freie Jugendbewegung) zu sein, sind 16 am 14. März
verhaftet worden
ANF
vom 15.03.2007
Verstümmelung
eines toten PKK-Kämpfers
Der
Name des in der Nähe des Kreises Nusaybin
(Provinz Mardin) am 11. März getöteten HPG- Militanten ist Kamber Günes.
Berichten zufolge soll sein Ohr abgeschnitten und sein Gesicht zerfetzt sein.
Atilim vom 16.03.2007
Verurteilung des Wehrdienstverweigerers Halil Savda –
Angriffe von Rechten auf Prozessbeobachter
Am 15. März verurteilte das Militärgericht in Corlu den
Wehrdienstverweigerer Halil Savda wegen "andauernder
Befehlsverweigerung" und "Flucht" zu 1 Jahr 3 Monaten Haft.
Mitglieder der "Plattform für Wehrdienstverweigerung", die zu der
Gerichtsverhandlung von Halil Savda gekommen waren, wurden in dem Park, in dem
die Polizei auf sie wartete, von einer Gruppe Rechter angegriffen. Die Polizei
griff nicht ein, als die Rechten sie beschimpften und mit Steinen bewarfen. Eine
andere Gruppe griff sie in der gleichen Weise an, als sie das Gericht verließen.
Der Bus der "Plattform für Wehrdienstverweigerer" wurde mit Steinen
beworfen, als sie Corlu unter Beobachtung der Polizei verließen.
Alinteri vom 16.03.2007
Medizinische Behandlung im Gefängnis verweigert
Die Vereinigung der Angehörigen von Gefangenen gaben bekannt, dass die
Gefangenen Mesut Deniz, Kemal Ertürk, Yasar Ince, Özge Kelekci und Gökce Otlu
trotz schwerer Erkrankungen nicht medizinisch behandelt werden.